Minolta Extension Tube II Zwischenringe

Um ein Objekt größer abzubilden, kann man mit der Kamera und dem Objektiv näher an das Objekt herangehen. Begrenzt wird diese Vorgehensweise durch die Naheinstellgrenze des Objektivs. Der Schärfebereich wird von unendlich näher herangeholt, indem Linsen weiter vom Sensor weg verschoben werden. Bei nicht innenfokussierenden Objektiven verlängert sich das Objektiv sichtbar, je näher scharfgestellt wird. Der maximale Auszug des Objektivs ist also gleichzeitig die Naheinstellgrenze des Objektivs.

Zwischenringe werden zwischen Objektiv und Kamera eingefügt, um genau diesen Abstand zwischen Linsen und Sensor noch weiter zu vergrößern. Die Naheinstellgrenze verringert sich dadurch weiter und der Abbildungsmaßstab des Objekts vergrößert sich. Durch den vergrößerten Auszug kann ein Objektiv mit Zwischenringen allerdings nicht mehr auf unendlich fokussiert werden. Die Zwischenringe eignen sich also ausschließlich für Nahaufnahmen.

Da vorne durch das Objektiv mit oder ohne Zwischenringe immer die gleiche Menge Licht einfällt, mit Zwischenringen aber der Abbildungsmaßstab vergrößert wird – also nur ein kleinerer Bildausschnitt auf den Sensor trifft – wird der Sensor mit Zwischenringen von weniger Licht getroffen als ohne. Zwischenringe führen also zu einer Belichtungsverlängerung, die aber mit modernen Kameras relativ problemlos durch eine längere Verschlusszeit, mehr ISO oder größere Blendenöffnung ausgeglichen werden kann.

Zu berücksichtigen ist im Einzelfall auch, daß das Objektiv nicht für die mit den Zwischenringen mögliche Naheinstellgrenze berechnet ist und dadurch die Abbildungsqualität des Objektivs deutlich sinken kann. Bei den von mir verwendeten alten Minolta-Objektiven habe ich aber noch keine dramatischen Einbrüche feststellen können.

Auf der Plus-Seite stehen dafür:

  • Zwischenringe sind einfache Ringe ohne jegliche Optik – also preiswert
  • Zwischenringe sind leicht und kosten nicht viel Platz
  • Zwischenringe ermöglichen einen deutlich größeren Abbildungsmaßstab
  • Zwischenringe können in vielen Fällen den Kauf eines Makroobjektivs ersetzen

Minolta hatte für ihre analogen SR(T)-Kameras mit SR-Bajonett-Objektivanschluss drei verschiedene Zwischenringsätze im Programm:

  • Extension Tube Set for Minolta SR
  • Extension Tube II for Minolta SR
  • MC Auto Extension Tube Set

Die beiden ersteren bestehen jeweils aus 5 Elementen, die miteinander über Schraubgewinde verbunden werden, keinerlei Einstellungen übertragen, und sich nur durch unterschiedliche Längen der Ringe unterscheiden. Beim MC Auto Extension Tube Set werden die Elemente über Bajonett verbunden, da hier Objektiveinstellungen übertragen werden (MC = meter coupling, zur Belichtungsmessung durch das Objektiv).

Ich besitze den hier vorgestellten Zwischenringsatz Extension Tube II, für ein paar Euro gebraucht noch mit Originalkarton gekauft. Das Extension Tube II Set wurde vermutlich Ende der 60er bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts von Minolta produziert. Meine Ausgabe sieht noch wie neu aus und hat wahrscheinlich Jahrzehnte unbenutzt in der Verpackung gelagert. Allerdings zusammengeschraubt, so dass die Ringe nur schwer wieder zu lösen waren. Daher ein kleiner Tipp: Zwischenringe auseinandergeschraubt lagern.

In einem aus späterer Zeit stammenden Minolta „Handbuch für Standard-Objektive“ habe ich folgenden Hinweis gefunden: „Ebenso lassen sich MD-Objektive nicht an älteren Zwischenringsätzen II verwenden, weil zwischen der MD-Kupplung und dem EL-Ring zu wenig Spielraum ist. Es ist jedoch möglich, den EL-Ring beim Minolta Service umzutauschen, damit die MD-Objektive auch an den Zwischenringsatz II passen“. Vielleicht hat mein Satz einen solchen getauschten EL-Ring – an den mir zur Verfügung stehenden Minolta MD-Objektiven gibt es jedenfalls keine Probleme.

Das Extension Tube II Set besteht aus insgesamt 5 Ringen. Der erste Ring ist der EB Ring (Extension Body Ring), der auf den Objektivanschluss der Kamera mit SR-Bajonett montiert wird. Auf der anderen Seite befindet sich ein Gewinde, auf das die weiteren Ringe geschraubt werden können. Zuletzt muß immer der EL Ring (Extension Lens Ring) aufgeschraubt werden, an den dann das Objektiv mit SR-Bajonett gesetzt wird.

 

von links nach rechts: EB Ring – Ring No. 1 – Ring No. 2 – Ring No. 3 – EL Ring

(für größere Darstellung auf das Bild klicken)

Das Minolta Extension Tube II Set besteht also aus diesen Ringen:

  • EB Ring (Extension Body Ring)
  • Ring No. 1 (7 mm Länge)
  • Ring No. 2 (14 mm Länge)
  • Ring No. 3 (28 mm Länge)
  • EL Ring (Extension Lens Ring)

Die kleinste Verlängerung ergibt sich mit 6 mm, wenn nur EB Ring und EL Ring verwendet werden. Bei Verwendung mit z.B. einem Minolta MC Rokkor 55 mm f/1.7 erhält man dann statt des Abbildungsmaßstabes 1 : 7.5 des Objektivs den neuen Abbildungsmaßstab von ca. 1 : 4 (bei Fokussierung auf Naheinstellgrenze).

Bei Verwendung von allen 5 Ringen wird die maximale Verlängerung von 55 mm erreicht. Beim Minolta MC Rokkor 55 mm f/1.7 bedeutet das einen neuen Abbildungsmaßstab von ca. 1 : 0,9 (bei Fokussierung auf Naheinstellgrenze), also sogar ganz leicht besser als 1 : 1. Es sind dann also Makro- und nicht nur Nahaufnahmen möglich.

Mit allen anderen möglichen Kombinationen der einzelnen Ringe können Abbildungsmaßstäbe zwischen diesen Werten erreicht werden.

Bei Objektiven mit längeren Brennweiten als 50 – 58 mm wird mit dem Extension Tube II Set brennweitenabhängig nur deutlich weniger als 1 : 1 erreicht, so dass Nahaufnahmen möglich sind, aber nicht mehr von Makrofotografie gesprochen werden kann.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.